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Zukunft aus der Perspektive der Mitglieder denken

Porträtfoto von Christoph Bänsch, Vorstandsmitglied der PWG 1956 in frontalem Blickwinkel vor hellem Hintergrund
Porträt Christoph Bänsch © frenkelson

70 Jahre Genossenschaft bedeuten 70 Jahre gemeinsames Gestalten und Weiterentwickeln. Doch ein Jubiläum ist nicht nur Anlass für einen Blick zurück, sondern vor allem für den Blick nach vorn. 

Im Interview spricht unser kaufmännischer Vorstand, Christoph Bänsch, darüber, welche Herausforderungen in den kommenden Jahren auf unsere Genossenschaft zukommen – und wie wir die Chancen nutzen wollen, um auch in Zukunft erfolgreich und verlässlich für unsere Mitglieder zu handeln.

 

Wir leben in einer Zeit, in der vielfältige politische, wirtschaft­liche, aber gerade und vor allem gesellschaftliche Herausforde­rungen auf uns wirken. Wie blicken Sie in dieser unbeständigen Situation in die Zukunft? 

Zukunft heißt für die 1956 zuerst einmal, aus der Perspektive der Mitglieder zu denken. Eine Genossenschaft ist kein anonymes Pro­dukt und kein kurzfristiges Geschäftsmodell. Unser Auftrag ist lang­fristig. Das heißt für uns: Wir richten unser Handeln an den Bedürf­nissen unserer Mitglieder aus – mit dem Ziel, dass Wohnen sicher, lebenswert und bezahlbar bleibt. Auch oder gerade in unsicheren Zeiten bleibt die langfristige Orientierung der Kern genossenschaftlichen Handelns.

Das hört sich nach Sicherung des jetzigen Niveaus und des jetzigen Bestandes an. 

Zunächst einmal ist Zukunft für mich nicht ein permanentes „größer, schneller, spektakulärer!“, sondern eher: passgenau, solide und voraus­schauend. Wir fragen uns: Wie bleibt unser Bestand in Schuss – technisch, energetisch und sozial? Wie schaffen wir neuen Wohnraum, ohne unsere genossenschaftlichen Werte aus dem Blick zu verlieren? Und wie organisieren wir uns als Unternehmen in der Zukunft so, dass guter Service, persönliche Ansprechbarkeit und moderne, effi­ziente Abläufe zusammenpassen?

Demnach heißt Zukunft den Wohnungsbestand zu erhalten und gleichzeitig weiterzuentwickeln? 

Ich würde es anders formulieren: es gibt keine Bestandssicherung ohne Weiterentwicklung. Wir wollen durch eine intelligente Weiter­entwicklung die Attraktivität und Qualität unseres Bestandes lang­fristig sichern. Und der ist für unsere Mitglieder nicht nur eine Wohnung, sondern ein Zuhause, Nachbarschaft und Sicherheit.

Können Sie diese Aufgaben für uns wichten? Worauf werden Sie sich konzentrieren? 

Unseren Fokus werden wir auf drei Handlungslinien legen:

Erstens, die kontinuierliche Instandhaltung.

Zweitens, die Modernisierung, dort wo sie sinnvoll und technisch geboten ist – mit Blick auf demografische und energetische Aspekte, Barrierearmut und Energieeffizienz.

Drittens, behutsame Neubauaktivitäten, dort wo sie unseren Mit­gliedern nützen und wirtschaftlich tragfähig sind.

Was bedeutet das konkret? Können Sie uns das anhand eines Bei­spiels erläutern? 

Die jetzt beginnende serielle Sanierung unseres Acht-Geschossers Auf dem Kiewitt 30a–33 ist dafür ein gutes Beispiel. Für uns ist das mehr als ein Bauprojekt. Die Anforderungen, die wir an das Projekt formu­lieren, sind sehr komplex. Zum einen ist es ein wichtiger Baustein unseres Klimapfades: mit geringerem Energieverbrauch, besserer bar­rierearmer Erreichbarkeit und höherer Wohnqualität. Zum anderen sichern wir bezahlbare Grundnutzungsgebühren nach der Moder­nisierung bei gleichzeitiger Wirtschaftlichkeit. Das erreichen wir durch den Einsatz von KfW-Darlehen und Zuschüssen sowie eines ergän­zenden Finanzierungsbausteins unserer Spareinrichtung. Was uns be­sonders wichtig ist: Die Belastungen für die Bewohnerinnen und Bewohner während der Baumaßnahme so gering wie möglich zu halten.

Können Sie das bitte auch exemplarisch an einem Neubau-Vor­haben erläutern? Vielleicht Ihre Herangehensweise in Krampnitz? 

Gemeinsam mit den Genossenschaften Karl Marx und pbg verfolgen wir dort bekanntermaßen das Ziel, genossenschaftlichen Wohnraum zu realisieren, finanziert zu einem wesentlichen Anteil mit Mitteln aus der Landesförderung. Unser Anspruch ist dabei klar: Neubau darf genossenschaftliche Bezahlbarkeit nicht außer Acht lassen.

Die Genossenschaften, die 1956 eingeschlossen, sind da noch in in­tensiven Verhandlungen. Worin bestehen die Herausforderungen? 

Auf der einen Seite gibt es ein komplexes Zusammenspiel von städ­tebaulichen Herausforderungen, steigenden Grundstücks-, Bau- und Baunebenkosten und vertraglichen Notwendigkeiten. Auf der anderen Seite bedarf es auskömmlicher Förder- und Finanzierungskonditionen. Wenn es gelingt, diese Faktoren in ein Gleichgewicht zu bringen, kann es eine wirtschaftlich tragfähige Umsetzung geben, die genos­senschaftlich vertretbare Nutzungsgebühren einschließt.

Wie ist Ihre Einschätzung: Sind Sie optimistisch, dass das gelingt? 

Lassen Sie uns optimistisch in die Zukunft blicken. Krampnitz bietet Potenziale: Zuallererst Potenziale für Wohnraum, der in der Stadt dringend benötigt wird, Potenziale für genossenschaftlichen Wohn­raum im Bergviertel. Diese Potenziale können wir aber nur heben, wenn alle Beteiligten bereit sind, über Zuständigkeiten, Routinen und Einzelinteressen hinaus gemeinsam für das Ziel genossenschaft­lichen Wohnens im Bergviertel zu denken und zu handeln.

Umfasst Ihr Zukunftsbild auch eine Modernisierung nach innen? 

Wenn wir über Modernisierung sprechen, meinen wir nicht nur Fas­saden, Dächer oder Heizungszentralen. Modernisierung bedeutet auch: Wie arbeiten wir zukünftig als Genossenschaft? Wie transparent, wie serviceorientiert und wie digital sind wir?

Welchen konkreten Nutzen erwarten Sie für die Mitglieder der 1956? 

Digitalisierung und Prozessoptimierung sind für uns kein Selbstzweck. Sie sollen ganz konkret dazu beitragen, die Anliegen unserer Mitglie­der schneller zu bearbeiten und Informationen transparenter bereit­zustellen. Intern geht es darum, Abläufe verlässlicher zu steuern, um die Qualität unsere Arbeit und unserer Leistungen für die Mitglieder zu sichern. Und letztlich geht es darum, unsere knappen Ressourcen so einzusetzen, dass mehr Zeit für das bleibt, was wirklich zählt: gute Betreuung, eine persönliche Bindung und schlussendlich eine hohe Mitgliederzufriedenheit.

Welche Rolle spielt dabei aus Ihrer Sicht die Kommunikation? 

Eine Genossenschaft lebt von Vertrauen – und Vertrauen entsteht durch Verständlichkeit, Erreichbarkeit und verbindliche Kommuni­kation. Deshalb bauen wir unsere Kommunikationswege weiter aus, unter anderem mit unserem neuen Mitgliederportal und einem mo­dernen CRM-System. Bei aller Digitalisierung ist uns der persönliche Bezug zu unseren Mitgliedern besonders wichtig. Daher wird der direkte Austausch von Mensch zu Mensch auch weiterhin ein unver­zichtbarer Bestandteil unserer Kommunikation bleiben.

Wir feiern gerade den 70. Geburtstag der 1956. Da schauen wir im Moment viel zurück, in die bewegte Geschichte der Genos­senschaft. Wir schauen aber auch gemeinsam nach vorne. Wenn Sie nach vorn sehen, was sehen Sie da? 

Unsere Ziele für die Zukunft sind klar: Bewährtes bewahren und weiterentwickeln – und zugleich den Mut haben, Neues auszupro­bieren und ausgetretene Pfade zu verlassen, um die vor uns liegenden Herausforderungen entschlossen, sozial verantwortlich und im Sinne der Gemeinschaft zu meistern.

 

Christoph Bänsch 
kurz und knapp

  • Jahrgang 1984
  • Betriebswirt (B.A.), Schwerpunkt Immobilienwirtschaft
  • Kaufmann der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft
  • 20 Jahre Berufserfahrung in der Potsdamer Wohnungswirtschaft
  • Seit 2025 Mitglied der Geschäftsleitung der 1956
  • Seit 2026 Kaufmännisches Vorstandsmitglied der 1956

 

Martina Vogel, 27.03.2026