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Julia Bastian mit einem Flyer und Gregor Miszuk mit einem Wrap vor der Verkaufstheke von CigköfteM in Potsdam.
Julia Bastian und Gregor Miszuk bereichern mit CigköfteM in der Anna-Zielenziger-Straße das gastronomische Angebot in Potsdam um vegane und vegetarische Spezialitäten. © Lutz Langer

Gut Ding braucht Köfte

Die Anna-Zielenziger-Straße wird immer lebendiger. Jüngster Zuwachs in den Gewerberäumen der PWG 1956 ist CigköfteM. Julia Bastian und Gregor Miszuk bringen hier vegane und vegetarische Spezialitäten auf den Tisch.

Bis zur Eröffnung brauchte die junge Familie allerdings einen ziemlich langen Atem.

Zwei Jahre lang hatten Julia Bastian und Gregor Miszuk nach dem passenden Laden gesucht. Viele Räume schauten sie sich in Potsdam an, immer passte irgendetwas nicht. Dann kamen sie in die Anna-Zielenziger-Straße. Die Lage stimmte, die Räume auch. Nur schnell ging von da an wenig.

Für den gastronomischen Betrieb war eine Nutzungsänderung notwendig. Aus den zunächst erwarteten wenigen Wochen wurden am Ende rund 14 Monate. Vor allem Fragen zu Brandschutz und Fluchtwegen sorgten für aufwendige Abstimmungen. Verschiedene Stellen mussten einbezogen und Lösungen gefunden werden. „Wir haben mehrfach darüber nachgedacht, aufzugeben“, erzählt Gregor Miszuk. Haben sie aber nicht.

Heute steht er hinter dem Tresen und kann sich wieder mit dem beschäftigen, was er seit vielen Jahren kennt: Gastronomie und gutes Essen. Miszuk ist Koch und arbeitete auch im europäischen Ausland, Julia Bastian ist Hotelfachfrau. Gemeinsam wagten sie nun den Schritt in die Selbstständigkeit. Ihr Potsdamer CigköfteM ist dabei ein echtes Familienunternehmen.

Und während der neue Laden gerade laufen lernt, tut das Familienleben das Seine dazu. Julia steckt mit dem gemeinsamen Nachwuchs mitten in der Kita-Eingewöhnung. Dienstpläne, Öffnungszeiten und Familienalltag wollen also ebenfalls unter einen Hut gebracht werden. Gerade in der Anfangszeit bedeutet der eigene Laden schließlich vor allem eines: viel selbst machen und fast immer ansprechbar sein.

Zwei Jahre Unterstützung bei der Suche

Dass es CigköfteM werden sollte, stand schon lange vor dem Standort fest. Bereits während ihrer zweijährigen Suche arbeiteten Julia Bastian und Gregor Miszuk mit dem Franchiseunternehmen zusammen. Und über diese Zusammenarbeit spricht Gregor ausgesprochen positiv. Der Franchisegeber habe die beiden während der gesamten Standortsuche begleitet, sei jederzeit ansprechbar gewesen und habe sie auch dann unterstützt, als sich die Eröffnung in Potsdam immer weiter verzögerte.

Was ist eigentlich Cig-Köfte?

Im Mittelpunkt des Angebots steht die namensgebende Spezialität. Cig-Köfte hat ihren Ursprung in der türkischen Küche. Während sie traditionell auch mit rohem Fleisch zubereitet wurde, besteht die heute verbreitete Variante aus pflanzlichen Zutaten.

Die würzige Masse wird unter anderem aus Bulgur, Tomaten- und Paprikamark sowie zahlreichen Gewürzen hergestellt. Bei CigköfteM gibt es sie in einer milderen und einer schärferen Variante. Wobei „mild“ nicht bedeutet, dass es an Würze fehlt. Die Schärfe soll angenehm bleiben und die übrigen Aromen nicht überdecken.

Besonders beliebt ist der Wrap. Darin trifft Cig-Köfte auf Salat, frisches Gemüse, Kräuter und Granatapfelsauce. Was genau hineinkommt, entscheidet jeder selbst. Tomaten, Rotkohl, rote Zwiebeln, Petersilie oder Minze lassen sich nach Geschmack kombinieren.

Gregors gastronomischer Anspruch klingt dabei eigentlich ganz einfach: Ein gutes Gericht braucht verschiedene Geschmacksrichtungen. Würze und Schärfe treffen deshalb auf frische Kräuter, knackiges Gemüse, etwas Säure und die Süße der Granatapfelsauce. Das Ergebnis soll schnell auf dem Tisch sein, aber eben nicht nach beliebigem Fastfood schmecken.

Wrap, Bowl oder doch Sushi?

Auch sonst ist die Karte größer, als der Name des Ladens zunächst vermuten lässt. Es gibt Falafel in verschiedenen Varianten, Bowls, Burger und Burritos, Kibbeh und Desserts. Eine Besonderheit ist das Cig-Köfte-Sushi. Dafür wird die würzige Masse mit Gemüse eingerollt, anschließend geschnitten und mit verschiedenen Toppings serviert.

Fleisch gibt es gar nicht. Viele Gerichte sind vegan, andere vegetarisch. Dabei verzichten Julia und Gregor bewusst darauf, Fleischessern eine andere Ernährungsweise erklären zu wollen. „Wir wollen niemanden überzeugen, vegan zu essen“, macht Gregor deutlich. Entscheidend sei vielmehr, dass es schmeckt.

Deshalb bekommen Gäste, die noch nie Cig-Köfte gegessen haben und etwas unschlüssig vor dem Tresen stehen, erst einmal eine Kostprobe. Gerade bei einem Produkt, das noch nicht jeder kennt, sei das wichtig. Manche kämen mit einer klaren Vorstellung herein, andere hätten den Namen noch nie gehört.

Dass die Strategie funktioniert, zeigt sich für Gregor vor allem an den Wiederholungstätern. Schon wenige Wochen nach der Eröffnung gebe es Gäste, die fünf- oder sogar zehnmal da gewesen seien. Genau das ist den beiden wichtiger als ein kurzer Ansturm zur Neueröffnung.

Ein Laden, der bleiben soll

Mittags kommen Beschäftigte aus den umliegenden Büros. Mit dem Semesterstart haben Julia und Gregor auch die Studierenden im Blick, nicht zuletzt wegen der Nähe zur Bibliothek. Inzwischen wird außerdem geliefert. Und auch der Außenbereich kann genutzt werden, nachdem die dafür notwendige Genehmigung schließlich vorlag.

Die Lage in der Potsdamer Mitte sehen beide langfristig als Stärke. In der Anna-Zielenziger-Straße sind in den vergangenen Jahren nicht nur neue Wohnungen entstanden. Mit Geschäften, Dienstleistungen und gastronomischen Angeboten kommt zunehmend Leben ins Erdgeschoss. CigköfteM ist nun ein weiterer Baustein dieser Entwicklung.

Julia Bastian und Gregor Miszuk denken dabei nicht in Wochen oder Monaten. Sie wollen bleiben und sich nach und nach einen festen Kundenstamm aufbauen. „Wir wollen nicht in einem Jahr möglichst viel Geld mitnehmen und Social-Media-Klicks sammeln“, sagt Gregor Miszuk. Entscheidend sei, dass sich das Angebot dauerhaft etabliert.

Nach zwei Jahren Ladensuche und 14 Monaten Genehmigungsverfahren klingt das fast schon folgerichtig. Wer so lange auf die Eröffnung hingearbeitet hat, lässt sich schließlich auch beim Aufbau eines neuen Standorts Zeit.

Geduld dürfte ohnehin ihre leichteste Übung sein. Zwischen Selbstständigkeit, Neueröffnung und Kita-Eingewöhnung kann die junge Familie davon inzwischen eine ziemlich große Portion vorweisen.

05.10.2026, Martina Vogel